Wie veraltete Rollenbilder in den Medien die Arbeitswelt beeinflussen

Unipeople (Bild: Tim Mossholder on Unsplash)

Sexismus, Stereotypen und veraltete Geschlechterrollen sind längst überholt? Leider nein! Sie werden noch immer tagtäglich reproduziert, kritisiert unsere Gastautorin Britta Häfemeier. Das hat auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Frauen im Beruf. 

Sprache und Bilder vermitteln Emotionen, Meinungen und Werte. Wenn man sich die Darstellung von Frauen in Online- und Printmedien ansieht, geht es oft ganz plump um ihr Aussehen. Frauen sind entweder sexuelle Objekte, die Freude beim Subjekt (also meistens Männern) hervorrufen sollen. Oder sie werden zu Müttern stilisiert, die selbstlos kochen, sich kümmern und Harmonie schaffen. Interessanterweise gibt es dabei zwei Seiten: Zum einen werden Frauen als Konsumentin betrachtet, die dem Druck der Schönheitsindustrie sowie ihrer Rolle als Mutter, Karrierefrau, Ehefrau, Versorgerin gerecht werden will. Zum anderen sind sie selbst “Objekt der Begierde“, also auch so etwas ähnliches wie ein Konsumobjekt.

Männer bewerten, Frauen werden bewertet

Doch auch ohne passendes Bildmaterial werden Frauen durch Sprache unfreiwillig in einen sexualisierten Kontext gesetzt – unabhängig vom tatsächlichen Geschehen oder ihrem Willen. Bei Politikerinnen ist dies besonders klar zu erkennen, denn in der Berichterstattung liegt der Fokus oftmals auf Kleidung und Figur, obwohl eigentlich ihre berufliche Tätigkeit der Nachrichtenwert sein sollte. Im direkten Vergleich mit der Berichterstattung über ihre männlichen Kollegen wird der Doppelstandard sehr deutlich.

Ein bekanntes Beispiel ist Angela Merkel und ihr Dekolleté bei einer Operneröffnung in Oslo. Hier ist mehr über ihr Kleid und den Ausschnitt berichtet worden als über die Premiere. Der Fokus auf das Aussehen greift auf sexistische Machtkonstrukte zurück, die einer Frau Werte zu- oder absprechen, je nachdem ob sie dem eigenen Geschmack entspricht. Dabei kann ein “Lob” in diesem Kontext genauso entwertend sein wie ein negativer Kommentar. Worum es hier aber eigentlich geht: Männer bewerten, Frauen werden bewertet – und das ist nichts anderes als klare Machtausübung.

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So werden weibliche Brüste nicht selten als “Bälle”, “Ballons” oder “Hupen” beschrieben. In Online-Abstimmungen können Leser/innen über den Attraktivitätsgrad der abgebildeten Frauen abstimmen – und das nicht nur bei den einschlägigen Boulevardblättern. Aktionen dieser Art zementieren die Ansicht, dass der weibliche Körper ganz selbstverständlich Bewertungen ausgesetzt werden kann. Errungenschaften und Professionalität von Frauen rücken dabei in den Hintergrund oder werden ganz abgesprochen. Frauen werden zuerst als sexuelle Objekte betrachtet, im zweiten Schritt erst als individuelle Menschen – oder als Expertinnen oder Profis.

Medien tragen eine Verantwortung

Die Wortwahl in den Medien ist ein Spiegel der Machtstrukturen unserer Gesellschaft. Eine verstärkte Sensibilität gegenüber der diskriminierenden Verwendung von sexistischen oder gewaltverharmlosenden Begriffe könnte dem Status Quo jedoch entgegenwirken. Wir müssen den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Problemen und die Dinge, die diese fördern und am Leben erhalten, aufdecken. Nur dann können wir die existierenden Missstände erfolgreich bekämpfen. Medien verbreiten oft noch veraltete Rollenbilder und gerade im Bezug auf Frauenrechte müssen die Medien dringend darauf achten, welche Macht in Worten steckt. Sie können damit beitragen, die Arbeit von Frauen auf- oder abzuwerten. Umfassender gesellschaftlicher Wandel kann in diesem Sinne nur stattfinden, wenn Unterdrückung und Gewalt auf allen Ebenen ernst genommen und bekämpft wird.

Britta Häfemeier (Bild: Promo)
Britta Häfemeier (Bild: Promo)

Britta Häfemeier lebt in Berlin und arbeitet als Onlineredakteurin bei dem Natur- und Umweltschutzverband NABU sowie als Campaignerin bei Pro Quote Film. Außerdem ist sie Vorständin bei Gender Equality Media und kämpft gegen Sexismus in den Medien. Mit ihrer Kampagne #UnfollowPatriarchy machen die Aktivist*innen Sexismus sichtbar.

 

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