Serie: New Work Cases | Intrapreneurship: Wie man den Sprung zum Start-up schafft

Begin (Photo by Danielle MacInnes on Unsplash)

Hanna Drabon ist Intrapreneurin: Aus einem internen Projekt wurde schließlich echtes Intrapreneurship. Ihr „Talented Employee Network“, Talee, ist mittlerweile aus der Mutter Comspace ausgegründet. Hier erzählt sie, was sie dabei gelernt hat.

1. Ihr habt Talee ge- und schließlich ausgegründet. Wie kam es dazu?
Innovation entsteht da, wo Silos verlassen werden und viele diverse Perspektiven eingebracht werden können, davon sind wir fest überzeugt. Diese Kultur des Austauschs und des Einbringens hat bei uns schon immer gut funktioniert. Wir wollten das methodisch fördern – und ehrlich gesagt auch einfach ein bisschen Spaß miteinander haben.

Die Idee hinter Talee ist, dass sich die Kollegen und Kolleginnen mit ihren Fähigkeiten – egal, ob privat oder professionell – einbringen können und sich immer wieder neu bottom-up vernetzen können, zum Beispiel über dezentrale Teamevents, 10-Minuten-Kaffee-Dates, ein sogenanntes Lunchlotto und so weiter.

Als wir bemerkt haben, dass viele Unternehmen ähnliche Herausforderungen haben und wir den Award des Bundesverbands der Personalmanager für unsere Idee hinter Talee bekommen haben, war klar, dass wir etwas mehr in die Idee investieren wollen.

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Talee haben wir als Corporate Start-up in der Digital-Agentur Comspace in Bielefeld entwickelt. Die Entwicklung des Produkts mit Intrapreneurship zu verbinden ergab für uns auf viele Arten Sinn. Einerseits, weil es zwar unsere Fachkompetenz ist, aber ein komplett neuer Markt. Andererseits weil sowohl Talee als auch Intrapreneurship selbst das Einbringen aller Fähigkeiten und intrinsische Motivation in den Vordergrund stellt. Sowohl Methode als auch Produkt passen also ideal zusammen.

Dashboard Talee (Bild: Promo)
Dashboard Talee (Bild: Promo)

2. Wie habt ihr das umgesetzt?
Wir haben uns immer an Start-up-Methoden orientiert. Sprich, erst das Konzept als Hypothese testen, dann ein MVP (Minimum Viable Product, die erste minimal funktionsfähige Iteration eines Produkts) definieren und dann nach und nach iterativ erweitern, kontrollieren und verbessern. Vieles haben wir direkt im Projekt gelernt, das heißt, wir haben auch viele Fehler gemacht. Dabei haben wir uns immer mehr als Team zusammengefunden und auch das Produkt zur Marktreife gebracht.

Wir haben uns inhaltlich und methodisch also Stück für Stück vom Tagesgeschäft der Agentur gelöst. Mittlerweile sind wir sehr stolz in einem der besten Accelerator-Programme Europas in Kopenhagen aufgenommen worden zu sein! Das zeigt einfach, dass wir den Sprung von Corporate zu Start-up tatsächlich geschafft haben.

3. Welche Herausforderung kam auf euch zu?
Wir mussten viel an uns selbst arbeiten. Wir sind immer wieder in alte Denkmuster verfallen und tun dies auch jetzt hin und wieder noch. Dazu war es notwendig, dass wir uns vom Kerngeschäft inhaltlich aber auch räumlich trennen. In einem Innovations-Coworking Space, dem Pioneers Club in Bielefeld, haben wir dafür den idealen Ort gefunden. Langsam zieht es uns aber auch wieder zurück “in die Heimat”. Wir haben einfach extrem viel gelernt in den letzten Jahren und wollen das auch den Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stellen. Diese Kulturen zusammenzubringen, zu trennen und wieder zurückzubringen, ist immer eine Herausforderung. Aber das ist die Aufgabe und einer der wichtigsten Teile von Intrapreneurship!

4. Wie habt ihr ins Haus hinein erklärt, was ihr vorhabt und wie das geht?
Wir haben am Anfang selbst nicht genau gewusst, wohin die Reise geht. Aber auch das kann man sehr transparent machen. Wir haben geschätzt, dass etwa 20 Prozent der Arbeitszeit im ersten Jahr darauf verwendet werden müsste, mit den Kollegen und Kolleginnen zu kommunizieren – von diversen internen Kanälen bis hin zu Events und Einzelgesprächen. Das ist ein enormer Aufwand. Wir sehen Comspace und somit alle Kollegen und Kolleginnen als unsere ersten Investoren und Kunden an und somit ist der Aufwand mehr als gerechtfertigt.

5. Was ist euer wichtigstes Learning aus dem Prozess?
Ich glaub diese Frage könnte ich jeden Monat anders beantworten (lacht). Wir lernen einfach so extrem viel. Von Fachkompetenzen über Prozesse bis hin zum Umgang mit Emotionen, Selbstmanagement und vor allen Dingen einer Menge Mut. Ich kann wirklich behaupten an dem Projekt und der Methode persönlich gewachsen zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar.

6. Wenn ihr einer anderen Organisation einen Rat geben würdet, die sich auch auf den Weg macht: Welcher Ratschlag wäre das?
Tut’s nicht! Es ist extrem viel Arbeit! (lacht) Aber das ist irgendwie auch gerade das Schöne daran. Der Gestaltungs- und Entwicklungsspielraum ist genau das, was einen immer wieder motiviert und extrem viel Spaß macht. Diesen Spielraum und somit das Vertrauen in die Fähigkeiten der Kolleginnen und Kollegen, muss das Unternehmen garantieren und einen Schutzraum dafür stellen. Ansonsten wird aus einer Idee wirklich nur ein internes Projekt und kein Intrapreneurship.

Hanna Drabon (Bild: Maike Descher)
Hanna Drabon (Bild: Maike Descher)

Hanna Drabon entwickelt als Intrapreneurin der Digitalagentur Comspace mit ihrem Team talee.de – das „talented employee network“. Die digitale Plattform und die mit dem Personalmanagement Award des BPM preisgekrönte Methode ermöglicht Menschen, hierarchieübergreifende Netzwerke im Unternehmen zu bilden, die Wissenstransfer und Teambuilding fördern. Das Ziel: Den Kulturwandel für eine erfolgreiche digitale Transformation in den Unternehmen anstoßen und Veränderungen von Strukturen anregen. Hanna lebt die Vernetzung in der Community rund um neues Arbeiten und Start-ups als Teil des Internationalen Acceleratorprograms “Future of Work” von Accelerace und Mentorin der Venture Villa Hannover.

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