Eine neue Normalität nach Corona? Der digitale Wandel in der Arbeitswelt ist spätestens seit der Krise präsenter denn je. Christine Radomsky erklärt uns, warum digitale Kompetenzen einen Unterschied in der neuen Arbeitswelt machen werden – und wie wir sie erwerben. 

Yvonne verdreht die Augen: „Wenn die Firma jetzt will, dass ich nun auch noch Slack benutze, soll sie erst mal eine ordentliche Weiterbildung anbieten. Zwei, drei Tage Seminar. Vorher rühre ich keinen Finger.“

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An die Videokonferenzen ihres Teams im Home-Office hat sie sich inzwischen gewöhnt. Doch nun noch ein weiteres digitales Tool lernen? Digitalkompetenzen für die Arbeit von morgen? Yvonne winkt ab. Sie sehnt sich nach den alten Gewohnheiten im Büro. Nach Normalität.

Wie wird die neue Normalität aussehen? Der digitale Wandel der Arbeitswelt ist kein neues Thema, doch seit Corona springt er auch dem letzten Digitalmuffel ins Auge. Damit verbunden: Lebensbegleitendes Lernen verwandelt sich gerade von einer Worthülse in ein Schweizer Messer. Lebenswichtig nicht nur für die Firmen, sondern vor allem auch für die Einzelnen.

Noch warten viele Angestellte ein konkretes Weiterbildungsangebot ihres Unternehmen ab, genau wie Yvonne. Doch wer seine Weiterentwicklung in die eigenen Hände nimmt, hat die Nase vorn. Sie oder er kann Chancen in der digitalen Arbeitswelt besser wahrnehmen. Im aktuellen Job oder auch einem neuen – denn wer weiß schon, ob seine Kurzarbeit nicht demnächst in Arbeitslosigkeit mündet.

Wer steuert Deine Weiterbildung?

Welcher Aussage stimmst Du stärker zu?
a) Für meine Weiterbildung ist meine Führungskraft verantwortlich.
b) Für meine Weiterbildung bin ich selbst verantwortlich.

Idealerweise sollten Führungskräfte und HR-Verantwortliche den Beschäftigten sagen können, welche Fähigkeiten am entsprechenden Arbeitsplatz demnächst gebraucht werden. Um dann die passenden Ressourcen für die Weiterbildung bereitstellen: Lernangebote, Lernzeit und auch das Budget.

Doch viele kleinere Unternehmen fühlen sich damit überfordert – wie auch mit einer Digitalisierungsstrategie. Dagegen bieten Großunternehmen vor allem Führungskräften und Fach-Expert/innen Weiterbildungschancen. Also denjenigen, die ohnehin schon recht fit für die neue Arbeitswelt sind.

Was immer unser Arbeitgeber tut: Unsere Weiterbildung ist vor allem unsere ganz persönliche Angelegenheit. Denn nur so sichern wir unsere persönliche Beschäftigungsfähigkeit in stürmischen Zeiten. Vielleicht setzt ja Deine Firma spezifische Ziele – wie die Beherrschung einer Cloud-Technologie oder einer bestimmten Kooperationsmethode. Doch was, wenn nicht?

Verlass Dich nicht darauf, dass Dir eine Führungskraft Vorgaben macht. Frage Dich lieber: Welches Zukunftsthema reizt Dich? Und bitte dann Deine Führungskraft und HR um Unterstützung. Alternativ könntest Du erst mal selbstständig in ein neues Thema reinschnuppern – vielleicht mit einem Videokurs auf LinkedIn oder einem anderen Onlinekurs.

Nicht blind auf seinen Arbeitgeber vertrauen

Jede/r zweite Beschäftigte in Deutschland hat das Gefühl, dass sie/er sich fitter für neue Anforderungen am Arbeitsmarkt machen muss (siehe auch Gallup Engagement Index). Wie steht es um Deine Digitalkompetenzen für die Arbeit von morgen? Kannst Du Begriffe wie Cloud, Künstliche Intelligenz und Internet der Dinge erklären? Weißt Du, was sich hinter selbstorganisierten Teams, agiler Entwicklung und neuer Führung verbirgt – und wie sie zusammenhängen? Wie gut beherrschst Du kooperative Formate der Zusammenarbeit, in der realen Welt und online?

Viele bangen jetzt um ihren Arbeitsplatz und hoffen, dass sich ihr Unternehmen auch in der Rezession über Wasser hält. Es ist definitiv eine gute Idee, nicht blind darauf zu vertrauen, sondern gerade jetzt seine Kompetenzen auszubauen. Wo findest Du Zukunfts-Kompetenzen, mit denen Du Dich flexibel auf Veränderungen einstellst? Mit denen Du für Deine aktuelle Firma, einen neuen Arbeitgeber oder für Deine Kunden in der Selbstständigkeit mehr Wert schaffen kannst?

Hier kommt das Kompetenzrad ins Spiel. Es hilft Dir zu checken, bei welchen Kompetenzen Du Dich schon heute sicher fühlst. Vielleicht springt Dich auch ein Thema an, das Du ausbauen oder neu erobern möchtest.

Vier Kompetenzfelder für die Arbeit heute und morgen

Fragen wir uns also: Welche Kompetenzen brauchen wir in der zunehmend digitalen Arbeitswelt? Das Kompetenzrad für die digitale Arbeitswelt umfasst vier Kompetenzfelder:

Kompetenzen Digitale Arbeitswelt (Bild: Willkommen in der Welt der Digital Natives. Redline Verlag. Dr. Christine Radomsky. 2019)

Kompetenzen Digitale Arbeitswelt (Bild: Willkommen in der Welt der Digital Natives. Redline Verlag. Dr. Christine Radomsky. 2019)

  • Selbstkompetenz
  • Sozialkompetenz
  • Schöpfungskompetenz
  • Digitalkompetenz

Drei dieser Felder beziehen sich auf „analoge“ Fähigkeiten, nicht auf digitale. So findest Du beispielsweise im Feld der Selbstkompetenz die heute so wichtige lebenslange Potenzialentfaltung und Lernfähigkeit.

Wie die gleich großen Quadranten andeuten, sind alle vier Kompetenzfelder gleich wichtig.

In diesem Beitrag beschränke ich mich auf das Feld der Digitalkompetenz unten rechts. Hier wird oft vieles in einen Topf geworfen. Hilfreich ist jedoch, digitale Spezial- und Querschnittskompetenzen zu unterscheiden.

Nicht nur für Digitalprofis: Digitale Spezialkompetenzen

Digitale Spezialkompetenzen brauchst Du, wenn Du Dich beruflich zu einem der gefragten Digitaljobs umorientieren willst. Dabei kannst Du aus vielfältigen Fähigkeiten wählen: Programmieren, Design von KI-Systemen, Big-Data-Analyse, Blockchain-Technologie und vieles mehr.

Auch außerhalb der eigentlichen Digitalberufe hilft es, sich gewisse Grundlagen anzueignen. Als Personalverantwortliche oder Führungskraft solltest Du beispielsweise verstehen, was Bots und Künstliche Intelligenz sind, wie sie bei der Personalbeschaffung eingesetzt werden und wo ihre Chancen und Risiken liegen.

Mehr Zukunftssicherheit für alle: Digitale Querschnittskompetenzen

Vielleicht reizt Dich kein Digitaljob, sondern Du willst näher am Menschen arbeiten. Benötigst Du dann nur Kompetenzen aus den anderen drei Feldern? Nein. Was immer Du tust, mit diesen Querschnittskompetenzen wirst Du sicherer und erfolgreicher:

  • Informationsflut bändigen: Informationen aus dem Internet kritisch filtern
  • Cyber Security und Datensicherheit: Sich sicher im Netz bewegen, mit den eigenen Daten überlegt umgehen
  • Business-Netzwerke nutzen: Vernetzung und Austausch über LinkedIn oder Xing, digitale „Selbstvermarktung“
  • Eigenes Wissen als Beiträge im Unternehmens-Netzwerk oder Internet teilen
  • Virtuelle Kooperationstechniken beherrschen – für mobile Arbeit und virtuelle Teams
  • Online lernen: Onlinekurse und weitere Ressourcen im Netz für die eigene Weiterbildung nutzen. Aktiv an Lern-Communities teilnehmen.

Für die neue Arbeitswelt brauchst Du Fähigkeiten auf vier Feldern: Sozialkompetenz, Selbstkompetenz, Schöpfungskompetenz und Digitalkompetenz. Wenn Du willst, erwirb digitale Spezialkompetenzen wie Programmieren, Big Data Engineering oder KI. Stärke jedoch unbedingt Deine digitalen Querschnittskompetenzen.

Du arbeitest gerade im Home-Office oder bist in Kurzarbeit? Vielleicht ist genau jetzt der Moment, Dich an einer Lern-Community oder einem spannenden Onlinekurs zu beteiligen.

Dr. Christine Radomsky (Bild: Anette Hammer)

Dr. Christine Radomsky (Bild: Anette Hammer)

Dr. Christine Radomsky ist Coach und Autorin aus Berlin. Sie unterstützt berufserfahrene Fach- und Führungskräfte mit Online-Coachings und Onlinekursen, sich im digitalen Wandel der Arbeitswelt beruflich neu zu orientieren. Als IT-Ingenieurin leitete sie viele Jahre Teams der Software-Entwicklung und Validierung in Großkonzernen.  Ihr Buch „Willkommen in der Welt der Digital Natives: Wie Sie als erfahrene Arbeitskraft Ihre Stärken ausspielen“ erschien im November 2019 im Redline Verlag. Mehr Informationen über Christine gibt es hier.

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