Du arbeitest den ganzen Tag, aber trotzdem bleibt das Wichtige liegen – das nennt Inga Höltmann „fehlgeleitete Arbeit“. Sie ist nicht nur frustrierend und mühsam, sondern auch wahnsinnig teuer. Was sie uns kostet und warum es Zeit ist, anders auf Arbeit zu schauen. 

Die Recherche, die am Abend nach Feierabend stattfindet oder das strategische Konzept, an dem Du am Wochenende sitzt – diese beiden Situationen haben eines gemeinsam: Es sind wichtige Aufgaben, die auf die Randzeiten oder in die Freizeit verdrängt werden. Ablesen kannst Du das auch an dem To-Do, das eigentlich wirklich wichtig für Dich ist – das Du aber trotzdem von Woche zu Woche von einer To-Do-Liste auf die nächste überträgst. Weil Du einfach nicht dazu kommst.

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Und Du kommst nicht dazu, weil Du schon so viel anderes auf dem Tisch hast: Du bist den ganzen Arbeitstag von morgens bis abends eingebunden, bist den ganzen Tag busy – und doch: So vieles, was eigentlich echt wichtig wäre, gehst Du trotzdem nicht an.

„Nicht dazu kommen“ ist keine Faulheit

Das liegt nicht daran, dass Du faul oder schlecht organisiert bist. Was da passiert, nenne ich „fehlgeleitete Arbeit”: Du arbeitest ohne Ende, aber Du hast zu wenig Einfluss auf das, woran Du arbeitest. Das führt dazu, dass Deine Arbeitskraft in Aufgaben fließt, die nicht wirklich etwas bewirken.

Woran liegt das? Das hat meiner Meinung nach verschiedene Gründe: Du darfst nicht oder kannst nicht priorisieren – oder Du hast auch schon halb vergessen, worauf es ankäme, weil Du schon so daran gewöhnt bist, beschäftigt anstatt wirksam zu sein.

Und die Kosten für diese fehlgeleitete Arbeit sind immens – auch auf einer ganz persönlichen Ebene.

1️⃣ Fehlgeleitete Arbeit kostet Dich nicht nur Zeit. Sie kostet Dich die Dinge, für die Du diese Zeit eigentlich einsetzen möchtest. Das können die wunderbaren Banalitäten des Alltags sein wie das gemeinsame Abendessen in der Familie, an dem Du schon wieder nicht teilnehmen kannst, weil Du noch im Büro hängst. Ein versäumtes Abendessen ist vielleicht nicht schlimm, das 20ste schon. Das sind die Familienausflüge am Wochenende oder der Girls-out-Samstag, die Du verpasst, weil da noch so viel auf Dich wartet. Oder das unendliche Beschäftigtsein frisst die Zeiträume, die Du gern für die Fortbildung oder das Hobby einsetzen würdest – findet alles nicht statt. Und erschöpft und ausgelaugt bist Du am Freitag trotzdem. Aber es ist nicht die zufriedene “Ich hab viel geschafft diese Woche”-Erschöpfung, sondern die bleierne “Und Samstag werde ich auch wieder am Rechner sitzen“-Müdigkeit.

2️⃣ Du verlierst durch fehlgeleitete Arbeit nicht nur Zeit – sondern auch Deine Verantwortung aus den Augen. Bewege den Fokus von dem, was Du da den ganzen Tag tust, einmal hin zu dem, was Du dadurch nicht mehr tun kannst: Die Stunde in dem nutzlosen Meeting ist ärgerlich. Aber ärgerlicher ist das, was dadurch verloren geht: Dein Fortschritt. Das Konzept bleibt liegen, die Entscheidung ist nicht getroffen, die Kundin wartet noch immer, Deine Idee bleibt in der Schublade. Du vergeudest Deine Ideen und Dein Potenzial und entwickelst Dich nicht weiter. Und wofür? Dafür, auf die Mail pünktlich geantwortet zu haben, dafür, Dein Gesicht in dem Meeting gezeigt zu haben. Überlege Dir gut, was Dir wertvoller ist!

3️⃣ Busy Work verändert Deine Beziehung zu Deiner Arbeit. Sie zermürbt Dich und Du verlierst das Gefühl der eigenen Wirksamkeit im Job. Die Verbindung zwischen Zeit, Arbeit und Wirkung wird jeden Tag aufs Neue gekappt, bis Du gar nicht mehr weißt, wie sich das anfühlen kann, mit sich selbst und dem Sinn der eigenen Arbeit in Berührung zu sein. Aus Arbeit wird abarbeiten. Und Deine eigentliche Mission – die geht unterwegs verloren

Deine beste Energie fließt ins Falsche

Das Perfide an Busy Work ist nämlich vor allem dieses: Sie frisst Deine beste Energie und absorbiert nicht nur Zeit, die vielleicht eh übrig geblieben wäre (wenn Zeit überhaupt übrig bleiben kann, aber das ist noch eine andere Diskussion…). Denn wenn Du dann am Ende des Tages an Deinen Kernaufgaben sitzt, bist Du schon erschöpft und leer. Und das bedeutet: Deine frischeste Energie fließt in Busy Work, die unwichtigste Arbeit. Einfach nur, weil wir sie dringend gemacht haben! Und was dann übrig bleibt, die letzten Funken, die sollen dann zum Feierabend das große Ideenfeuer entzünden. Das kann ja gar nicht funktionieren!

Die gute Nachricht: Du leidest zwar darunter, doch das liegt nicht an Dir! Es liegt vielmehr daran, dass wir systematisch eine Arbeitswelt gebaut haben, in der die qualitativ hochwertigste Arbeitszeit in die am wenigsten wichtigen Aufgaben fließt. Die Folge ist, dass keine Kraft und kein Raum für das Wertschöpfende und für das Sinnstiftende übrig bleiben. Und das ist nicht Deine Schuld, sondern das große Dilemma der modernen Arbeit! Und ich habe noch eine gute Nachricht: Es geht anders. Mit Work Design.

Inga Höltmann (Bild: Axel Kuhlmann)

Inga Höltmann (Bild: Axel Kuhlmann)

Inga Höltmann ist Expertin für die Zukunft der Arbeit und Gründerin und Entwicklerin von Work Design. Work Design ist eine Weiterentwicklung der Ideen von New Work und ein Denk- und Umsetzungsrahmen für die Frage, wie Arbeit heute gesteuert und gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt stehen Handlungsfähigkeit, Verantwortung und Innovation unter realen Arbeitsbedingungen in den Organisationen. Inga arbeitet mit Einzelpersonen und in Unternehmen im Rahmen von Praxisprogrammen, Beratungsprojekten, Community-Angeboten und Vorträgen und sie publiziert auch dazu. Sie schreibt einen Newsletter und ist eine wichtige Stimme auf LinkedIn.

 

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