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	<title>Modul 3 | Accelerate Academy</title>
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	<description>Plattform für Neue Arbeit und Neues Lernen</description>
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	<title>Modul 3 | Accelerate Academy</title>
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		<title>Change Management: Veränderung in mehreren Schritten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Inga Höltmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Aug 2020 23:05:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Modul 3]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Neue Arbeit ist eine tiefgreifende Veränderung, die Auswirkungen auf alle Bereiche einer Organisation hat und sie ist auch die einzige Entwicklungsperspektive, die eine Antwort bieten kann auf die Herausforderungen einer zunehmend komplexer werdenden Arbeitswelt – das ist meine persönliche Herangehensweise an Neue Arbeit.

Sie ist mehr als eine Mode und der Wandel ist nicht optional, er ist grundlegende Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Organisationen. Aber wie setzt man solche Veränderungsprozesse auf? Woher weiß man, was das Richtige zu tun ist und in welcher Reihenfolge? Wie „managed“ man solche Prozesse, wer sind die planenden und wer die umsetzenden Personengruppen? Und gibt es diese Trennung überhaupt noch?

Fakt ist, dass man viel verbrannte Erde in den Organisationen hinterlassen kann, wenn solche Veränderungsprozesse nicht nachhaltig angeschoben werden: Wenn Menschen zum Beispiel nicht angehört werden oder sie das Gefühl bekommen, dass das eine gesagt und das andere getan wird, oder wenn solche Veränderungsprozesse nicht konsequent umgesetzt werden. Change ist eine gesamtorganisationale Anstrengung – es geht nur zusammen.

Und Fehler dürfen gemacht werden – unbedingt sogar! Es geht nicht darum, Fehler zu vermeiden, sondern was Alt von Neu unterscheidet, ist vor allem der Umgang mit ihnen: Eine wertschätzende Lernkultur ist von äußerster Wichtigkeit.

<em>Für mich sind Change Prozesse im erster Linie Kommunikationsprozesse.</em> Die Implementierung von Technik, Technologien oder Tools ist der zweite Schritt – vielmehr muss zuerst der Boden bereitet werden, damit der Samen des Neuen überhaupt wachsen kann. Und den Boden zu bereiten, ist eine zwischenmenschliche Aufgabe, die Vertrauen braucht und ausreichend Zeit.

Was moderne Change-Prozesse außerdem von Projekten in der alten Arbeitswelt unterscheidet, ist die Tatsache, dass es keine allseits kompatiblen Lösungen mehr gibt, keine Schablonen, die benutzt werden können. In der zunehmenden Komplexität der Arbeitswelt sind sie individuelle Lernreisen einer jeden Organisation. Wir können voneinander und miteinander lernen, doch vor allem geht es darum, den eigenen Weg zu finden. Und wie der aussehen kann, kann man durch Try &#38; Error herausfinden – Fehler machen ist also dann eine gute Sache, wenn wir von ihnen lernen.

In diesem Modul möchte ich ein paar Ideen und Hinweise geben, wie ein solches Change Management aussehen könnte.

&#160;
<h3>Wann ist der richtige Zeitpunkt?</h3>
Jetzt.

In vielen Unternehmen wird sich erst dann mit der Notwendigkeit für Veränderung auseinandergesetzt, wenn Dinge nicht mehr so richtig funktionieren: Wenn sich Geschäftsmodelle verändern oder Produktanforderungen sich wandeln oder wenn Wertschöpfungsketten abzureißen beginnen. Dann wird es dringlich und plötzlich muss es ganz schnell gehen, um wenigstens den Status quo zu erhalten. Das ist nachvollziehbar, weil die meisten Menschen in vielen Unternehmen mehr als genug mit dem Tagesgeschäft ausgelastet sind. Oder weil Veränderungen angstbesetzt sind und erst angegangen werden, wenn sie unvermeidlich sind.

Doch der beste Zeitpunkt ist meiner Meinung nach, sich damit auseinander zu setzen, wenn alles noch vermeintlich gut läuft. Das ist insofern tückisch, weil man den Grund für Veränderung dann stärker erklären muss und wahrscheinlich auch mit mehr Widerständen in den Organisationen zu kämpfen hat. Das altbekannte Argument lautet: „Das haben wir bisher immer so gemacht und es hat doch gut funktioniert!“ Das stimmt natürlich. Doch viele Rezepte der alten Arbeitswelt sind keine angemessenen Rezepte mehr für die neue Arbeitswelt.

Denn was sich da draußen verändert, ist der grundlegende Aufbau unserer Arbeitswelt, unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft. Wichtig ist zu verstehen, dass dieser Change kein abzuschließender Prozess ist. Es geht nicht darum, die Organisation von einer Art „analogem“ Zustand in einen „digitalen“ Zustand zu transformieren. Sondern das Wesen einer digitalen Organisation ist kontinuierliche Anpassungsfähigkeit an sich in (wahrscheinlich) immer schneller verändernde Umgebungsbedingungen. Und daraus wird erklärlich, warum dies der allerbeste Zeitpunkt ist, sich auf den Weg zu machen: Jetzt.

&#160;
<h3>Die Phasen des Change Managements</h3>
Veränderung geht nicht von heute auf morgen vonstatten. Vielmehr ist sie ein andauernder Prozess, der in verschiedene Phasen unterteilt werden kann.

Jedoch: Die überwiegende Mehrheit aller Transformationsprojekte scheitert, noch bevor sie so richtig losgegangen sind. Das liegt oft an widerstreitenden Kräften, die in der Organisation zu wirken beginnen, sobald sie in Bewegung gerät: Einerseits Kräfte, die den Erhalt des Status quo fördern, wie Ängste, Gewohnheiten oder mangelnde Ressourcen, und andererseits Kräfte, die eine Veränderung bedingen oder einfordern, wie neue Technologien oder neue Wettbewerber. Change Management kann also nur dann gelingen, wenn es gelingt, das Kräfteverhältnis in Richtung der Veränderungen zu verschieben – zumindest zeitweise.
<ol>
 	<li><strong> Das 3-Phasen-Modell nach Kurt Lewin</strong></li>
</ol>
Kurt Lewin (1890 – 1947) war ein Psychologe, der in Polen geboren wurde und in den USA starb. Er entwickelte sein 3-Phasen-Modell, das in relativ simpler Form den Ablauf von Veränderungen beschreibt.

<strong>Erste Phase: Unfreezing</strong>, also so etwas wie Auftauen oder Auflockern

In dieser Phase des Prozesses werden die Veränderungen vorbereitet. Dies ist meistens die schwierigste und anstrengendste Phase. Kern dieser Phase ist, die Bedeutung der Veränderung klar zu kommunizieren und einen gangbaren Weg zu erforschen. Dies ist auch die Phase, in der die Organisation in ein Ungleichgewicht gerät. Das kann schmerzhaft sein und Zweifel auslösen, ist an dieser Stelle aber kaum vermeidbar. Das Gute daran: Im Falle dieser kontrolliert ausgelösten Krise werden die Menschen in der Organisation nach einer neuen Form des Gleichgewichtes streben – und das ist der Punkt, an dem Dinge in Bewegung kommen.

<em>What’s in for me? </em>

Jedes Individuum sollte im Laufe des Prozesses entdecken, was für ihn oder sie ganz persönlich drinsteckt. Die Begründung, dass die Veränderung eben notwendig sei für das Unternehmen, wird nicht reichen, um die Motivation aufrecht zu erhalten. Stattdessen sollte jeder Mensch verstehen, wie er davon profitieren kann – ganz individuell. Nur so entsteht echte intrinsische Motivation.

<strong>Was in Phase 1 getan werden sollte:</strong>
<ul>
 	<li>Eine klare Botschaft entwickeln, warum die Veränderung notwendig ist, und ein Zielbild erarbeiten.</li>
 	<li>Die Organisation muss angeschaut und verstanden werden: Welche Glaubenssätze, Wertekonstrukte und Verhaltensweisen herrschen in ihr vor? Welches Verhalten wird belohnt, welches sanktioniert? Bedenke: <em>Kultur ist geronnene Erfahrung</em>. In ihr schlägt sich nieder, was Menschen erlernt haben, wie sie durchkommen und erfolgreich sind – Kultur zeigt also, welche Verhaltensweise die eigentlich erwünschten, weil erfolgversprechendsten sind. Und das sind meistens nicht unbedingt die, die fesch laminiert über dem Kopierer hängen…</li>
</ul>
<strong>Zweite Phase:Moving</strong>, also so etwas wie Hinüberleiten

Die Organisation ist in Phase 1 in Bewegung geraten. Das ist die Gelegenheit, Dinge neu zu machen: Die Menschen probieren neue Dinge aus und etablieren neue Prozesse.

Es gibt zwei absolut notwendige Grundzutaten für jeden Wandel: Zeit und Kommunikation. Ich notierte es bereits oben, möchte es an dieser Stelle aber noch einmal wiederholen, weil es ein so wichtiger Punkt ist: <em>Transformation ist ein Kommunikationsprozess.</em> Technik und Technologie kommt erst danach. In Phase 2 wird herumexperimentiert, es werden neue Prozesse und Strukturen ausprobiert. Vor allem aber wird laufend darüber reflektiert und gemeinsam analysiert, was gut ist und was nicht. Das ist entscheidend hier: Nicht nur Machen, sondern auch in den Austausch darüber gehen.

<strong>Was in Phase 2 getan werden sollte:</strong>
<ul>
 	<li>Dem Veränderungsprozess die notwendigen Ressourcen zugestehen, also vor allem Zeit – Menschen brauchen Zeit, um sich daran zu gewöhnen und es zu verstehen – und Räume für Austausch, Kommunikation und gemeinsames Lernen schaffen. Dazu gehört auch, Gerüchte offen anzusprechen und sie auszuräumen und Menschen ermächtigen und ermuntern, in ihre Handlungsfähigkeit zu kommen.</li>
 	<li>Räume eröffnen für Meta-Kommunikation – also immer wieder auch in den Austausch über das Was und das Wie der Veränderungsbemühungen kommen. Dieser Meta-Diskurs ist nicht etwas, das noch obendrauf dazu kommt, sondern er sollte verstanden werden als integraler Teil der Entwicklung und auch entsprechend eingeplant werden.</li>
</ul>
<strong>Dritte Phase: Freezing</strong>, also so etwas wie Verfestigen

Wenn es neue Prozesse und Strukturen und Handlungsweisen gibt, die sich bewährt haben, müssen sie eingeübt und verfestigt werden, um dauerhaft und nachhaltig zu sein – das passiert in dieser Phase.

<strong>Was in Phase 3 getan werden sollte:</strong>
<ul>
 	<li>Es sollte genau beobachtet werden, welche Gegebenheiten den Wandel unterstützen und welche ihn hindern – um sodann die unterstützenden Faktoren zu fördern.</li>
 	<li>Feedback-Schleifen sollten unbedingt etabliert werden, um den Prozess fortlaufend zu analysieren und reflektieren.</li>
</ul>
Dieses 3-Phasen-Modell von Lewin ist ein recht grobes Modell, das aber einen ersten Eindruck vermittelt, wie solche Prozesse ablaufen können. Auffällig ist, dass es den Übergang von einem statischen Zustand in einen anderen statischen Zustand beschreibt – das sehe ich als überholt an. Meiner Meinung nach sollte heute ein angestrebter Wandel auch beinhalten, dass die Organisation in einen Zustand der andauernden Veränderung versetzt wird.
<ol start="2">
 	<li><strong> Das 5-Phasen-Modell nach Wilfried Krüger</strong></li>
</ol>
Das Modell von Lewin wurde verschiedentlich weiterentwickelt, unter anderem von dem deutschen Wirtschaftswissenschaftler Wilfried Krüger. Er beschreibt fünf anstatt nur drei Phasen, in denen erfolgreiches Change Management verlaufen kann.
<ol>
 	<li>Initialisierung – in dieser Phase wird zuerst der tatsächliche Bedarf eines Unternehmens analysiert und Systeme, Prozesse und Produkte untersucht. Die Führungskräfte werden informiert und an Bord geholt.</li>
 	<li>Konzeption – in dieser Phase wird das Zielbild formuliert und der Weg dorthin entwickelt. Es ist ratsam, hier konkrete Schritte und Maßnahmen zu vereinbaren. Veränderungen werden definiert und welche Verbesserungen dadurch erwartet werden. Auch Messgrößen werden an dieser Stelle bestimmt, anhand derer gemessen werden kann, ob die Anstrengungen erfolgreich waren oder nicht.</li>
 	<li>Mobilisierung – in dieser Phase werden die geplanten Veränderungen an die Mitarbeitenden kommuniziert. Im besten Falle wird ihnen klar, warum die Veränderungen wichtig und unausweichlich sind und was sie beitragen können und müssen. Ängste und Sorgen sollten adressiert und ausgeräumt werden.</li>
 	<li>Umsetzung – in dieser Phase werden schließlich die in der zweiten Phase konzipierten Projekte und Maßnahmen umgesetzt. Jedes Projekt wird danach evaluiert, Folgeprojekte aus ihnen heraus entwickelt.</li>
 	<li>Verstetigung – erfolgreiche Maßnahmen werden beibehalten und immer wieder umgesetzt, so dass sie in das Handlungsrepertoire der Organisation übergehen. Ziel ist es, nicht nur einmalig das Richtige zu tun, sondern zu lernen, was das Richtige ist und es immer wieder zu tun.</li>
</ol>
Wir sehen also, dass dieses Modell etwas differenzierter als das von Lewin ist. Ich persönlich sehe aber vor allem einen Makel: Dass die Mitarbeitenden, die nicht in einer Führungsposition sind, erst dann miteinbezogen werden, wenn die Konzeption bereits abgeschlossen ist. In einer solchen Vorgehensweise liegt meiner Meinung nach einer der größten Fehler in allen Vorhaben rund um Change: Denn je später die Mitarbeitenden einbezogen werden, umso schwerer wird es werden, sie davon zu überzeugen, dass das ein guter und notwendiger Prozess ist, in dem auch viel für sie persönlich drinsteckt. Je später sie Teil der Veränderungen werden, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass den Wandel einfach nur als ein weiteres Projekt empfinden, dass sich Führungskräfte im stillen Kämmerlein ausgedacht haben. Für einen gelingenden Change-Prozess ist es ratsam, die Mitarbeitenden von Anfang an dabei zu haben und ihnen die Möglichkeit zu geben, alle Projekte zu ihren eigenen zu machen.

Und: Je später die Mitarbeitenden einbezogen werden, umso größer ist die Chance, dass die falschen Maßnahmen beschlossen werden und die falschen Zielvorgaben vereinbart. Warum ist das so?

Das hat etwas mit der zunehmenden Komplexität der Umfelder zu tun, in denen sich Unternehmen bewegen. Der Prozess, den wir als Digitalisierung bezeichnen, sorgt für zunehmende Komplexität: Umfelder werden volatiler, Entwicklungen verlaufen zunehmend schneller, Produktzyklen verkürzen sich, die Kraft von Einflüssen aus unterschiedlichen Kontexten nimmt zu. Auch geschehen Veränderungen in immer schnellerer Folge, die Vorhersehbarkeit von Ereignissen nimmt ab. Das führt dazu, dass Prognosen auf der Grundlage von Erfahrungen aus der Vergangenheit ihre Gültigkeit verlieren – es ist schlicht nicht mehr möglich, Erfahrungen oder Problemlösungsstrategien aus der Vergangenheit in die Zukunft zu extrapolieren. Damit verändert sich die Rolle von Führungskräften: Genau das ist nämlich ihre Aufgaben in der Vergangenheit in weniger komplexen Umfeldern gewesen – auf der Grundlage ihrer Erfahrung Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Doch jetzt funktioniert das nicht mehr.

Heute ist eine gute Antwort auf die zunehmende Komplexität um die Organisation herum, die innere Komplexität in der Organisation zu erhöhen. Und das kann man erreichen, indem man die Mitarbeitenden in einem frühen Stadium des Prozesses dazu holt und ihre Sichtweisen und Erfahrungen in den Prozess speist. Je mehr Meinungen, je mehr Erfahrungswerte, je mehr Wissen mit hineinfließt, umso besser – denn das ist Komplexität.

&#160;
<ol start="3">
 	<li><strong> Das 8-Phasen-Modell nach John P. Kotter</strong></li>
</ol>
Ich möchte Dir an dieser Stelle noch ein weiteres Modell vorstellen, und zwar das 8-Phasen-Modell nach John P. Kotter. Kotters Modell ist ein echter Klassiker (und auch eine Weiterentwicklung von Lewins Modell). Kotter ist Professor für Führungsmanagement an der Harvard Business School im US-amerikanischen Cambridge und gilt als einer der bedeutendsten Vordenker im Bereich Change.

Dies sind seine 8 Stufen:
<ol>
 	<li><strong>Create a Sense of Urgency:</strong> Um Veränderungen anzustoßen, braucht es einen Anlass und ein gemeinsames Bewusstsein. Zwei Richtungen sind möglich: Weg von etwas – Schmerzen, Problemen, Hindernissen; oder hin zu etwas – Chancen und Opportunitäten. Wichtig ist aber, dass der „Sense of Urgency“ so klar und dringlich formuliert und eingebettet ist, dass er durch alle folgenden Phasen trägt.</li>
 	<li><strong>Create a powerful Coalition:</strong> Im nächsten Schritt müssen Gleichgesinnte und Mitstreiter gesucht werden, die die Dinglichkeit der Handlungsnotwendigkeit teilen – am besten aus unterschiedlichen Abteilungen des Unternehmens.</li>
 	<li><strong>Form a strategic Vision and Initiatives:</strong> In der Führungskoalition werden nun Visionen formuliert und Strategien entworfen. Wo wollen wir hin? Und warum?</li>
 	<li><strong>Enlist a volunteer Army:</strong> Für Kotter geht es um einen „tipping point“, also einen Kipppunkt. Wenn der erreicht ist, gewinnt die Veränderung eine eigene Dynamik und versandet nicht unterwegs. Es geht an diesem Punkt also darum, Mitarbeitende für die Veränderung zu begeistern und auch bei ihnen den „Sense of Urgency“ zu verankern.</li>
 	<li><strong>Enable Action by removing Barriers:</strong> Solche Barrieren, die den Wandel behindern können, sind nicht-funktionierende Prozesse, unerwünschte Routinen oder auch unzureichende technische Voraussetzungen. Das sind die „sichtbaren“ Hürden – doch zu diesen Barrieren zählt auch der Widerstad von Kolleg/innen, also das, was wir als „Kultur“ bezeichnen., Und deshalb zählt zum Change auch oft ein Kulturwandel, also die Auseinandersetzung mit Glaubenssätzen und Verhaltensmustern. Um ins Handeln zu kommen, müssen also alle Arten von Barrieren herausge- und bearbeitet werden, damit sie die Veränderung nicht länger behindern.</li>
 	<li><strong>Generate Short-Term Wins:</strong> Kotter empfiehlt, nicht gleich mit den größten Brocken zu beginnen – sondern erst einmal kleinere Aufgaben anzugehen, um schnell erste Erfolge zu sehen. Solche „Quick Wins“ stärken das Vertrauen der Menschen in den Prozess.</li>
 	<li><strong>Sustain Acceleration:</strong> Kotter warnt allerdings davor, sich von diesen ersten Erfolgen blenden zu lassen. Die kleineren Aufgaben dürfen nicht vergessen lassen, dass es da noch die „großen Brocken“ gibt. Sie dürfen nicht zu spät angegangen werden, damit Kraft und Ressourcen noch ausreichen.</li>
 	<li><strong>Institute Change:</strong> Dies ist wohl der Schritt, für den man den meisten Atem braucht: Die Veränderungen im Unternehmen nachhaltig zu verankern – so lange, bis sie ganz selbstverständlich sind.</li>
</ol>
Kotter beschreibt den Weg der Veränderung vor allem aus der Perspektive von Führungskräften. Er betont auch, dass es gerade im 8. Schritt wichtig ist, perspektivisch die richtigen Entscheidungen für Führungskräfte zu treffen und darauf zu achten, dass man mit ihnen nicht in alte Muster zurückfällt.

Ich finde seinen vierten Punkt besonders auffällig, weil er die Mitarbeitenden hier als „Army“ bezeichnet. Armeen sind stark hierarchische Organisationen, die wenig institutionalisierte Feedbackschleifen in sich tragen. Es gibt eine klare Trennung zwischen Oben = die, die nachdenken und bestimmen, und Unten = die, die umzusetzen haben. Und auch Informationen kennen in der Regel nur eine Richtung: Von oben nach unten. Auch ist Gehorsam zentraler Bestandteil von Armeen und in militärischen Kontexten – all das sind keine Charakteristika, die wir anstreben sollten, wenn wir uns und unsere Organisation verändern wollen.
<h3>Change Management: Auf die digitale Art</h3>
Sich vorzunehmen, die innere Komplexität einer Organisation zu erhöhen, hat ganz grundlegende Auswirkungen auf die Art und Weise, wie so ein Change-Prozess aufgesetzt wird. Ich möchte nun den Change-Prozess vorstellen, den ich im Rahmen meiner Arbeit entwickelt habe. Er versteht jede/n einzelne/n Mitarbeiter/in als „Change Agent“, also als relevante/n und gestaltende/n Akteur/in im Verlauf des Wandels. Und Kommunikation und Austausch nehmen einen entscheidenden Raum ein: Der Prozess ist als Kreislauf angelegt, in dem immer wieder Rückgriffe und Reflexion stattfinden.

[caption id="attachment_4122" align="alignnone" width="2000"]<img class="size-full wp-image-4122" src="https://www.accelerate-academy.de/wp-content/uploads/2020/08/Veränderungsprozesse-Organisationen_2b.png" alt="Change-Prozess im Unternehmen Framework Embrace" width="2000" height="1414" /> In Iterationen: Das Schaubild "Veränderungsprozesse in Organisationen" zeigt, wie Wandel iteriert werden kann[/caption]
<ol>
 	<li>Ausgangspunkt sind in den allermeisten Organisationen die Führungskräfte. Das liegt vor allem an der Art, wie die meisten Unternehmen heute aufgebaut sind. Im besten Falle werden sie auch darin ermuntert und finden eine passende Infrastruktur vor.</li>
 	<li>Der Transformationsprozess beginnt mit Kommunikation mit den Mitarbeitenden - sie werden direkt zu Beginn einbezogen. Ziel dieser Gespräche ist es, einen ersten Eindruck zu bekommen, welche Themenfelder oder Herausforderungen die Mitarbeitenden im Rahmen ihrer täglichen Arbeit sehen und welche Lösungsansätze sie haben oder vielleicht auch schon ausprobiert haben.</li>
 	<li>Es findet ein Auftakt-Event statt, das verschiedene Funktionen erfüllt:</li>
</ol>
<ul>
 	<li>Dringlichkeit vermitteln: Was wir vorhaben, ist wichtig und es duldet keinen Aufschub.</li>
 	<li>Arbeitsfelder definieren: Erste Ergebnisse aus den Vorgesprächen werden präsentiert und es wird im Team daran weitergearbeitet. Themen werden sortiert und priorisiert.</li>
 	<li>Zielbild erarbeiten: Wo wollen wir hin? Welche Ziele verfolgen wir? Die Marschrichtung sollte klar sein.</li>
 	<li>Multiplikatoren finden.</li>
</ul>
<ol start="4">
 	<li>Die Multiplikatoren sind aktive Change Agents in den Unternehmen. Sie arbeiten in engem Austausch mit den Führungskräften. Sie entwickeln und setzen konkrete Projekte und Formate um und fungieren als Schnittstelle und Übersetzer für ihre Kolleg/innen im Arbeitsalltag. Ziel ist es, ihre Rolle als querlaufende Struktur zu etablieren, um der hierarchischen, also vertikalen Struktur, eine weitere Dimension hinzuzufügen – ein erster Schritt in Richtung Netzwerkstruktur, der höchsten Form der komplexen Organisationsstruktur.</li>
</ol>
Ein Change-Prozess, der auf eine solche Art angelegt ist, bezieht alle Mitarbeitenden von Anfang mit ein und ermöglicht es ihnen, sich in den Prozess einzubringen und verschiedene Rollen einzunehmen. Damit gelingt es ihnen, den Prozess als ihren eigenen Prozess anzunehmen - man muss sie nicht "mitnehmen", sondern sie sind ganz selbstverständlich vitaler Teil der Veränderungen.

Und es gelingt auf diese Weise, all das implizite Wissen, das in der Organisation vorhanden ist, in Resonanz zu bringen und nutzbar zu machen.]]></description>
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