Serie: New Work Cases | Maximal flexibles Arbeiten bei Tandemploy

Tandemploy Office (Bild: Promo)

Jana Tepe (links im Bild) und Anna Kaiser sind die Gründerinnen von Tandemploy, einer Software, die Firmen in ihrer digitalen Transformation unterstützt. Doch sie reden nicht nur vom flexiblen Arbeiten, sondern leben das in ihrer eigenen Firma auch vor.

1. Was ist das Besondere an Tandemploy?
Anna: Mit Tandemploy generell und mit unserer Software im Speziellen unterstützen wir ja Unternehmen dabei, „anders“ zu arbeiten. Daher ist es uns natürlich ein besonderes Anliegen, das auch in der eigenen Firma zu leben. Wir experimentieren viel und gerne mit neuen, anderen Arbeitsweisen. Zum Beispiel fragen wir Bewerberund Bewerberinnen bereits im Recruitingprozess, was ihre perfekte individuelle Wochenarbeitszeit wäre – und haben diese bisher in allen Fällen ermöglicht. Unsere Kollegen und Kolleginnen arbeiten alle maximal flexibel und zwischen 15 und 40 Stunden die Woche – das allerdings mit bestimmten Spielregeln und guten Absprachen.

2. Wie habt ihr das umgesetzt?
Jana: Vor etwa 3 Jahren haben wir uns dazu entschieden, die starre 40-Stunden-Woche abzuschaffen. Es kam uns immer absurder vor, jeden Job und jede Aufgabe in 40 Stunden die Woche zu pressen, wenn es auch Aufgaben gibt, die viel besser in 30 Stunden passen oder eher 60 Stunden erfordern. Bei Letzterem ist sicherlich ein Tandem die bessere und gesündere Lösung, bei Ersterem muss nicht auf Krampf eine „Vollzeitstelle“ daraus entstehen. Auf der anderen Seite hören wir genau hin, wie unsere Kollegen und Kolleginnen arbeiten möchten, wie es aktuell in ihr Leben passt – und finden kreative Lösungen und Kompromisse, damit wir alle maximal flexibel und dennoch sehr produktiv und erfolgreich zusammenarbeiten können.

3. Welche Herausforderungen kamen auf euch zu?
Anna: Eine große Herausforderung bei maximal flexiblem Arbeiten ist es sicherlich, sich untereinander zu organisieren und sicherzustellen, dass die Kommunikation klappt und niemand hängen gelassen wird. Unsere Art zusammenzuarbeiten erfordert wahrscheinlich sogar mehr Disziplin, als es in einer klassischen Hierarchie und in einem Nine-To-Five-System der Fall wäre.
Jana: Wenn alle immer von montags bis freitags da sind und Kernarbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr haben, ist das natürlich sehr verlässlich, die Kollegen und Kolleginnen sind sichtbar und ansprechbar. Wir allerdings müssen uns extrem gut absprechen, für die anderen mitdenken und sehr transparent und verbindlich kommunizieren. Wenn jemand eine 4-Tage-Woche hat und Donnerstagabend ins lange Wochenende geht, muss er oder sie sich vorab genau fragen, wer eventuell noch welche Infos und Materialien benötigt, damit sich am nächsten Tag niemand ärgert. Das klappt allermeistens sehr gut – aber natürlich gibt es auch immer mal wieder Situationen, in denen wir uns ärgern, weil Absprachen nicht ideal funktioniert haben. Da sind wir ganz ehrlich, denn kein System ist perfekt. Dennoch ermöglicht uns unsere Art der Zusammenarbeit eine große Freiheit und ich habe das Gefühl, dass alle im Team dafür gerne die benötigte Extraportion Eigenverantwortung einbringen.

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4. Wie erklärt ihr, wie das geht?
Anna: Das ist nicht so schwer, weil allen ja von Beginn an klar ist, wie die Zusammenarbeit bei uns gestaltet wird und was unsere Werte sind, das erzählen wir ja bereits im Recruitingprozess. Es gibt also keine riesigen Überraschungen, aber natürlich auch Dinge, an die manche sich gewöhnen und die sie vielleicht auch lernen müssen.
Jana: Zum Beispiel haben wir eine Regel, dass man Dinge, die einen an Kollegen oder Kolleginnen stören, selbst anspricht, bevor sich Gedanken und Gefühle aufstauen. Wir möchten, dass alle im Team unsere Werte leben und verteidigen und auch selber adressieren, wenn sie diese im Alltag verletzt sehen. Wenn also jemand zu mir kommt und sich über einen Teamkollegen auslässt, der nicht verbindlich oder lösungsorientiert war, bitte ich immer darum, dies direkt anzusprechen und nicht den Weg über mich zu gehen. Ich würde im Zweifelsfall natürlich helfen, die richtigen Worte zu finden – aber finde es wichtig, dass alle sich im Geben von direktem und konstruktivem Feedback üben. Für Situationen, in denen man nicht sicher ist, wie daneben jetzt ein bestimmtes Verhalten wirklich war (oder ob man vielleicht selber etwas empfindlich reagiert hat), haben wir die 48-Stunden-Regel eingeführt…
Anna: …man schläft 2 Nächte drüber und wenn es einen dann immer noch wurmt, spricht man es an. Nicht jeder ist diese offene Feedbackkultur gewöhnt, in der Probleme direkt angesprochen werden – wir sind oft von Hause aus nicht so sozialisiert. Wir erleben aber, wie Kollegen und Kolleginnen sich immer mehr darin verbessern, sich trauen, Dinge anzusprechen, und sich dadurch viel weniger anstaut und weniger Explosionsgefahr im ganzen Team besteht (lacht).

5. Was ist euer wichtigstes Learning aus dem Prozess?
Jana: Wir haben gefühlt täglich wichtige Learnings. Vor allem haben wir gelernt, dass „Kulturarbeit“ nie aufhört. Gerade bei einem wachsenden Team ist es wichtig, bestimmte Spielregeln und Gewohnheiten immer wieder zu hinterfragen und sie anzupassen. Im letzten Jahr haben wir zum Beispiel eine Woche ohne Meetings gemacht: Wir wollten wissen, welche Meetings wir vermissen – und welche nicht, weil sie einfach nicht mehr zielführend und sinnvoll sind. Kurz vor dieser Woche wurden einige im Team richtig nervös, keine Jour Fixes, keine Teammeetings… wie soll man denn da arbeiten?! (grinst)
Anna: Das ging allerdings richtig gut. Nach der Woche haben wir gewusst, welche Meetings wir unbedingt beibehalten möchten – und welche wir abschaffen oder verändern, weil keiner sie vermisst hat.

6. Wenn ihr einer anderen Organisation einen Rat geben würdet, die sich auch auf den Weg macht: Welcher Ratschlag wäre das?
Jana: Nicht zu viel auf Ratschläge zu geben. Zuhören und sich inspirieren lassen ist immer wichtig und gut, aber am Ende wisst ihr selbst am besten, was für euch passt – und was nicht! Fragt eure eigenen Kollegen und Kolleginnen, wie sie sich „neue“, gute Arbeit vorstellen, hört zu, was sie sich wünschen. Und dann findet einen gemeinsamen Weg, damit zu starten.
Anna: Haltet zwischendrin inne, reflektiert und schaut, was ihr eventuell noch gemeinsam verändern und anpassen wollt. Erarbeitet Spielregeln zusammen, dann haben sie viel mehr Wert und Verbindlichkeit. Aber das allerwichtigste: Fangt einfach an, denn nur so kann Neues entstehen. Fehler sind erlaubt: Sometimes you win, sometimes you learn. So einfach ist das!

Tandemploy | Jana Tepe (l.) und Anna Kaiser (Bild: Promo)
Tandemploy | Jana Tepe (l.) und Anna Kaiser (Bild: Promo)

Jana Tepe und Anna Kaiser sind die Gründerinnen und Geschäftsführerinnen von Tandemploy, einer jungen Firma, die seit 2014 die Arbeitswelt auf den Kopf stellt. Das mittlerweile über 25-fach ausgezeichnete Berliner Unternehmen (Top 25 HR Influencer, ’25 Frauen‘, die unsere Wirtschaft revolutionieren, Chefsache-Award 2017, KfW-Gründerpreis 2016, Unternehmerinnenpreis 2015 uvm.) entwickelt Software, die Mittelständler und Konzerne beim gelungenen Wissenstransfer sowie der Flexibilisierung ihrer Strukturen und Arbeitsmodelle (hin zu einer vernetzten Organisation) unterstützt – und sie damit fit macht für ihre ganz eigene digitale Transformation. In der eigenen Firma leben beide vor, wie andere Arbeit aussehen kann: Sie selber teilen sich die Geschäftsführung im Jobsharing, alle Mitarbeiterund Mitarbeiterinnen arbeiten in flexiblen Arbeitsmodellen und interdisziplinären Teams, zuletzt haben sie die starre 40-Stunden-Stelle bei Tandemploy abgeschafft. Anna und Jana diskutieren ihr Anliegen einer vernetzten, innovativen und zukunftsgewandten Arbeitswelt auf höchster politischer und gewerkschaftlicher Ebene und sind u.a. im Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ des Bundeswirtschaftsministeriums sowie im Ethikbeirat HR Tech engagiert.

 

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